Galeriefest Mäander verwandelt die Kasseler Südstadt in einen lebendigen Kunstparcours

Galeriefest Mäander verwandelt die Kasseler Südstadt in einen lebendigen Kunstparcours

Vom 21. bis 23. August 2026 wurde die Kasseler Südstadt erneut zum Treffpunkt für Kunstschaffende, Kulturinteressierte und neugierige Besucherinnen und Besucher. Unter dem Motto „Mäander“ öffneten Galerien, Ateliers und weitere Kulturorte ihre Türen. Kunst wurde dabei nicht nur in klassischen Ausstellungsräumen präsentiert, sondern auch in Schaufenstern, Ladengeschäften, Hinterhöfen und auf den historischen Weinbergterrassen erlebbar.

Wie ein Fluss, der sich immer wieder neue Wege sucht, führte das Galeriefest durch unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen. Malerei, Zeichnung, Keramik, Lichtkunst, Workshops, Musik und Kino verbanden sich zu einem abwechslungsreichen Programm. Im Mittelpunkt standen nicht allein die ausgestellten Werke, sondern ebenso die Begegnungen zwischen den Kunstschaffenden und dem Publikum.

Fantastische Bildwelten im Kunstbalkon

Eine der besuchten Stationen war der Kunstbalkon in der Frankfurter Straße 62. Dort präsentierten Michael Fieseler und Christiane Hamacher unter dem Titel „Spannweiten“ Malerei und keramische Objekte.

Michael Fieseler zeigte geheimnisvolle, historisch inspirierte Szenerien, in denen wissenschaftliche Naturbeobachtung und poetische Erzählung ineinanderfließen. Tiere, Pflanzen und fantastische Landschaften verbinden sich in seinen Gemälden zu atmosphärischen Bildwelten. Die detailreichen Arbeiten lassen bewusst Raum für eigene Gedanken und Geschichten.

Christiane Hamacher präsentierte keramische Mischwesen, in denen menschliche und tierische Merkmale auf fantasievolle Weise miteinander verschmelzen. Als Inspiration dienen ihr unter anderem Redewendungen, mittelalterliche Tierdarstellungen und moderne Comicfiguren. Ihre Figuren wirken humorvoll, irritierend und zugleich erstaunlich lebendig.

Die beiden benachbarten Ateliers verbindet die Freude am Fabulieren. In der Ausstellung begegneten sich Malerei und Keramik ebenso wie genaue Beobachtung und freie Fantasie. „Spannweiten“ lud das Publikum dazu ein, vertraute Formen neu zu betrachten und sich auf ungewöhnliche Erzählwelten einzulassen.

Farbenfrohe Begegnung mit Ljubow Jung

Eine weitere Begegnung führte zur Kasseler Künstlerin und Modedesignerin Ljubow Jung. Ihre farbintensiven Frauenbilder fielen durch ihre leuchtenden Farben und ihre klare, unverwechselbare Formensprache auf.

Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen häufig weibliche Figuren, Blumen, Vögel und andere Elemente der Natur. Kräftige Gelbtöne, Rot, Blau und Pink werden durch geschwungene Linien und klar abgegrenzte Flächen zu harmonischen Kompositionen verbunden. Dabei erinnern einige Werke sowohl an kubistische Formen als auch an die besondere Wirkung farbiger Glasfenster.

Jungs langjährige Erfahrung als Modedesignerin ist in ihrer Malerei deutlich erkennbar. Vergleichbar mit einem Schnittmuster gliedert sie die Bildfläche in einzelne Bereiche und fügt diese zu einer ausgewogenen Gesamtkomposition zusammen. Ihre Werke vermitteln Lebensfreude, Weiblichkeit und emotionale Kraft.

Während des Galeriefestes konnten die Gäste der Künstlerin nicht nur begegnen, sondern auch selbst kreativ werden. An einem gemeinsamen Maltisch entstanden Gespräche, neue Bilder und ein unmittelbarer Austausch über Kunst. Damit wurde sichtbar, was das Galeriefest besonders auszeichnet: Kunst wurde nicht auf Distanz betrachtet, sondern gemeinsam erlebt.

Michael Günzel zeigt das Vertraute aus neuer Perspektive

Nur wenige Schritte entfernt präsentierte Michael Günzel in der Entdeckerei in der Frankfurter Straße 67 seine Ausstellung „im Quadrat“. Günzel versteht seine künstlerische Arbeit als eine fortlaufende Suche nach neuen Techniken und Ausdrucksmöglichkeiten. Sein Spektrum reicht von der Bleistiftzeichnung über den Siebdruck bis zu ungewöhnlichen experimentellen Verfahren.

Besonders eindrucksvoll war seine zeichnerische Auseinandersetzung mit einer Orange. Durch die enorme Vergrößerung wurden feinste Oberflächen und Strukturen sichtbar. Das vertraute Motiv verwandelte sich in eine beinahe abstrakte Landschaft aus Linien, Flächen und organischen Formen.

Auch die weiteren quadratischen Arbeiten zeigten Günzels Freude am Experimentieren. Kräftige schwarze Konturen gliederten die Bildflächen in zahlreiche kleinere Bereiche. Einige Werke erschienen zurückhaltend und fast monochrom, während andere durch eine große Farbenvielfalt geprägt waren. Die Strukturen erinnerten an Zellen, Gewebe, Landkarten oder verschlungene Wege.

Günzels Arbeitsweise gleicht einem Prozess der Selbstüberraschung. Eine erste Idee bildet den Ausgangspunkt, doch während der Gestaltung verändert und entwickelt sich das Werk weiter. Nicht jedes Ergebnis wird vollständig vorausgeplant. Vielmehr entsteht es im Zusammenspiel von Vorstellung, Material, Technik und künstlerischem Prozess.

Lichtkunst von Illyas Yussuf auf den Weinbergterrassen

Einen besonderen Akzent setzte der Künstler Illyas Yussuf auf den historischen Weinbergterrassen. Mit seiner Lichtinstallation verwandelte er den geschichtsträchtigen Ort in einen farbintensiven Erlebnisraum.

Yussuf arbeitet mit Malerei und Installationskunst. Seine künstlerischen Arbeiten beschäftigen sich unter anderem mit gelebtem Exil, Angst und Verantwortung. Auf den Weinbergterrassen verband er Licht, Farbe, Zeichnung und räumliche Wirkung miteinander. Unter dem Einfluss des farbigen Lichts veränderten sich die Wahrnehmung der dargestellten Formen und die Atmosphäre der Umgebung.

Die Installation entfaltete ihre besondere Wirkung mit einsetzender Dunkelheit. Leuchtende Farben und Linien traten hervor und ließen die Kunstwerke auf eindrucksvolle Weise lebendig erscheinen. Die historische Architektur der Weinbergterrassen wurde dabei selbst zu einem Teil der künstlerischen Inszenierung.

Ein lauer Sommerabend mit Kino unter freiem Himmel

Auch das Kinoprogramm auf den Weinbergterrassen gehörte zu den besonderen Momenten des Galeriefestes. Ursprünglich war die Filmvorführung für Freitagabend vorgesehen. Wegen des Regens musste sie jedoch auf Samstag verlegt werden.

Die Verschiebung erwies sich als glückliche Entscheidung. Bei schönem Sommerwetter und einem angenehm lauen Abend kamen zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf den Weinbergterrassen zusammen. Unter freiem Himmel wurde ein Hollywoodfilm gezeigt.

Inmitten der besonderen Kulisse machten es sich die Gäste gemütlich und genossen gemeinsam den sommerlichen Abend. Kunst, Licht, Film und persönliche Begegnungen verbanden sich zu einer entspannten und zugleich inspirierenden Atmosphäre. Die historischen Terrassen wurden damit nicht nur zum Ausstellungsort, sondern auch zu einem lebendigen Treffpunkt für die Stadtgesellschaft.

Das Galeriefest „Mäander“ zeigte eindrucksvoll die Vielfalt der Kasseler Kunstszene. Es brachte etablierte Kunstschaffende, neue künstlerische Positionen und ein interessiertes Publikum miteinander in Kontakt. Zugleich öffnete es Räume für gemeinsames Entdecken, kreatives Arbeiten und persönliche Gespräche.

So wurde die Kasseler Südstadt für drei Tage zu einem kulturellen Fluss, der Menschen, Orte und Ideen miteinander verband und zahlreiche neue Eindrücke hinterließ.

Wir wünschen Ihnen nun viel Vergnügen mit unseren Bildern vom Galeriefest in der Kasseler Südstadt

© NHR

Yasmin Schwarze

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