Malwida von Meysenbug im Mittelpunkt eines bewegenden Vortragsabends in Kassel

Malwida von Meysenbug im Mittelpunkt eines bewegenden Vortragsabends in Kassel

Am 21. Mai 2026 fand in der Kirche im Hof im Vorderen Westen eine viel beachtete Veranstaltung zum Thema „Malwida von Meysenbug und die Heinrich Schütz Schule“ statt. Eingeladen hatten die Malwida von Meysenbug Gesellschaft e. V. gemeinsam mit Kassel West e. V. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sich intensiv mit der Geschichte einer außergewöhnlichen Frau und ihrer Bedeutung für die Bildungslandschaft Kassels auseinanderzusetzen.

Wolfgang Matthäus widmete sich in seinem Vortrag der historischen Entwicklung der heutigen Heinrich Schütz Schule, die ursprünglich den Namen „Malwida von Meysenbug Schule“ trug. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle der Schule als erste Kasseler Bildungseinrichtung, an der Frauen zwischen 1930 und 1940 das Abitur ablegen konnten. Mit der späteren Umbenennung der Schule geriet auch die Erinnerung an die Namensgeberin über viele Jahrzehnte zunehmend in Vergessenheit.

Dr. Marlis Wilde Stockmeyer, Vorsitzende der Malwida von Meysenbug Gesellschaft, beleuchtete anschließend eindrucksvoll das Leben der 1816 in Kassel geborenen Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Malwida von Meysenbug galt bereits im 19. Jahrhundert als eine der bedeutenden Vordenkerinnen für Freiheit, Bildung und gesellschaftliche Gleichberechtigung. Ihr Einsatz für die Rechte von Frauen und ihr humanistisches Denken machten sie Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer würdigen Namensgeberin für eine Schule, die jungen Frauen neue Bildungswege eröffnete.

Gleichzeitig wurde thematisiert, weshalb ihr Name während der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr erwünscht war. Ihre liberalen und weltoffenen Ansichten standen im klaren Widerspruch zur Ideologie des damaligen Regimes. Der Vortrag eröffnete dadurch nicht nur einen spannenden Blick auf die Geschichte Kassels, sondern auch auf den langen gesellschaftlichen Kampf um gleiche Bildungschancen und die Sichtbarkeit bedeutender Frauenpersönlichkeiten.

Historische Fotografien und Dokumente rundeten den Abend eindrucksvoll ab und machten die Vergangenheit für das Publikum lebendig erfahrbar. Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig Erinnerungskultur auch heute noch ist und welch bedeutende Rolle Persönlichkeiten wie Malwida von Meysenbug für die Entwicklung moderner Bildungs und Gesellschaftsideale gespielt haben.

Weitere Informationen unter: https://www.meysenbug.de/

© NHR

Yasmin Schwarze

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