Maya und Friedel Deventer sind tot und hinterlassen eine Stadt in Trauer
Kassel steht still. Mit Maya und Friedel Deventer verliert die Stadt zwei Persönlichkeiten, die über Jahrzehnte hinweg das kulturelle Gesicht Nordhessens mitgeprägt haben. Friedel Deventer, geboren 1947, starb am 20. Januar 2026, nur sechs Tage vor seinem 79. Geburtstag. Seine Frau Maya folgte ihm am 2. Februar 2026. Ihr Tod erschüttert Freunde, Wegbegleiter und die Kunstszene gleichermaßen.
Es fällt schwer zu begreifen, dass dieses kreative, lebendige Paar nun nicht mehr unter uns ist. Noch im Juli des vergangenen Jahres war Friedel Deventer hoch oben auf dem Gerüst in der Holländischen Straße unterwegs. Munter, konzentriert, voller Tatendrang arbeitete er an seinem Wandgemälde. Mit sicherem Schritt kletterte er auf dem hohen Gerüst, sprach über neue Ideen, über Farben, über kommende Projekte.
Wir können es nicht verstehen.
Die Redaktion der Nordhessen Rundschau begleitete ihn am 3. Juli 2025 bei diesem letzten großen Werk. Ein weiteres Interview war geplant. Maya sollte ebenfalls teilnehmen. Der Termin musste krankheitsbedingt verschoben werden. Dass es kein Wiedersehen mehr geben würde, ahnte niemand.
Für unsere Chefredakteurin Yasmin Schwarze ist dieser Verlust auch ein zutiefst persönlicher. Sie kennt die Familie seit frühester Kindheit, ging mit David Deventer zur Schule und war später eng mit Benjamin Deventer befreundet. Viele kreative Nachmittage und Gespräche fanden im Hause Deventer statt. Kunst war dort kein Beruf, sondern eine Haltung, ein Lebensgefühl, ein gemeinsames Atmen.
Maya und Friedel Deventer waren mehr als ein Künstlerpaar. Sie waren eine Einheit. Über fünf Jahrzehnte lebten und arbeiteten sie Seite an Seite. Ihre Werke sind in Kassel sichtbar, doch ihre eigentliche Kraft lag in ihrer Ausstrahlung. Friedel war Visionär, Entdecker, ein Mensch mit ungebrochener Neugier. Maya war feinfühlig, klug, schöpferisch und tragende Kraft dieser besonderen Verbindung.
Mit ihrer Kunstakademie Deventer prägten sie darüber hinaus nachhaltig das kulturelle Leben der Stadt. Generationen von Kindern und Jugendlichen fanden dort einen geschützten Raum für Kreativität, Ausdruck und Entwicklung. Die Förderung junger Talente lag beiden besonders am Herzen. Sie vermittelten nicht nur Techniken, sondern Selbstvertrauen, Wahrnehmung und Mut zur eigenen Handschrift. Ihr Engagement für die künstlerische Bildung junger Menschen bleibt ein bedeutender Teil ihres Vermächtnisses.
Die Nachricht von ihrem Tod macht fassungslos. Noch vor wenigen Monaten sprach Friedel voller Energie darüber, Kassel weiter verschönern zu wollen. Wandkunst war für ihn gelebte Stadtgestaltung. Er wollte Menschen im Alltag berühren, Kunst sichtbar machen, Räume verwandeln.
Nun bleibt eine Lücke, die sich nicht schließen lässt.
Unser tiefes Mitgefühl gilt ihren Söhnen David und Benjamin Deventer. David lebt seit vielen Jahren außerhalb Kassels, bleibt seiner Heimatstadt jedoch eng verbunden. Benjamin Deventer ist als Oberarzt am Klinikum Kassel tätig und trägt nun neben seiner verantwortungsvollen beruflichen Aufgabe einen schweren persönlichen Verlust. Der Familie und allen Angehörigen wünschen wir in dieser Zeit der Trauer Kraft, Zusammenhalt und Menschen an ihrer Seite, die sie tragen.
Heute veröffentlichen wir in Gedenken an Friedel Deventer noch einmal unser letztes Videointerview aus dem Juli 2025. Es zeigt ihn so, wie wir ihn in Erinnerung behalten möchten. Munter und voller Energie auf dem Gerüst in der Holländischen Straße, leidenschaftlich über seine Arbeit sprechend, mit leuchtenden Augen und dieser unerschütterlichen Begeisterung für Kunst im öffentlichen Raum. Er gab uns dieses Interview mit sichtbarer Freude, teilte es anschließend selbst auf seinen Kanälen und bedankte sich persönlich für die Begleitung. Dieses letzte gemeinsame Treffen werden wir für immer im Herzen tragen.
Ihre Farben bleiben.
Ihre Spuren bleiben.
Und in vielen Herzen bleiben sie ebenfalls.