Der Heilige Petrus erstrahlt in neuem Glanz

Der Heilige Petrus erstrahlt in neuem Glanz
Der Jubilar Propst Hagemann im Kreise der Primizianten Henneken und Schlüter während der Feierlichkeiten im Jahr 1936. (Das Bild ist einem Erinnerungskärtchen entnommen.)
Der Jubilar Propst Hagemann im Kreise der Primizianten Henneken und Schlüter während der Feierlichkeiten im Jahr 1936. (Das Bild ist einem Erinnerungskärtchen entnommen.)
Der Jubilar Propst Hagemann im Kreise der Primizianten Henneken und Schlüter während der Feierlichkeiten im Jahr 1936. (Das Bild ist einem Erinnerungskärtchen entnommen.)

Obermarsberg / Niedermarsberg / Oesdorf / Warburg. Das Jahr 1936 ist für die Niedermarsberger Kirchengeschichte ein ganz besonderes. Ein Blick in die Chronik der Propsteigemeinde zeigt eine Vielzahl von Eintragungen mit Ereignissen und Feierlichkeiten auf. Die Magnuskirche erhielt beispielsweise eine neue Glocke, zwei „Söhne der Stadt“ wurden zu Priestern geweiht und Propst Ludwig Hagemann konnte sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiern. Dieser Ehrentag wurde mit zahlreichen „kirchlichen Würdenträgern“ Paderborns in Niedermarsberg begangen und ein Altar wurde Propst Hagemann als Jubilar-Geschenk überreicht. Das Altarbild ist bis heute erhalten geblieben und erstrahlt ab sofort im Museum „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ in neuem Glanz. Vor 80 Jahren waren in Niedermarsberg die kirchlichen Jahrestage von religiösen Feiern, Anlässen und Jubiläen umgarnt. Bereits am Passionstag wurden die Niedermarsberger Johannes Henneken und Anton Schlüter durch Erzbischof Dr. Kasparklein in Paderborn zu Priestern geweiht. Am 28. März wird schon vermeldet, dass der Guss für die neue Glocke der Propsteigemeinde „gestern erfolgt ist“. „Es handelt sich um die größte Glocke, die bis jetzt am Geläute unserer Pfarrkirche noch fehlte.“ Die Vorgängerin wurde im I. Weltkrieg eingeschmolzen. „Die neue Glocke mit dem Ton „h“ wird ein Gewicht von 52 Zentnern haben.“ Das Material wurde Jahre zuvor von der Kupferhütte erworben. Die Kosten bezifferten sich auf 3.000 RM für den Guss (ohne Material), Kugellager mit Stahlzapfen und die elektrische Läutmaschine.

Die Einweihungen und Feierlichkeiten fanden allerdings im Rahmen einer „religiösen Woche, die als Missionserneuerung und als Eucharistische Woche“ ein Höhepunkt im Kirchenjahr Niedermarsbergs dienen sollte. Die Predigten wurden vom Herz-Jesu-Missionshaus-Pater Theodor Niessen aus Oeventrop gehalten. H. H. Propst Ludwig Hagemann konnte in dieser Woche sein goldenes Priesterjubiläum und silbernes Ortsjubiläum feiern. Außerdem wurde die „Doppelprimiz Henneken-Schlüter“ durch die Erstlingsopfer an den Nebenaltären der Propsteikirche in deren Heimatort feierlich begangen. Hagemann als dritter Propst von Niedermarsberg wurde in Frohnhausen in der Warburger Börde als „Sohn eines alten Bauerngeschlechts“ geboren. Er besuchte u. a. die Rektoratsschule in Brakel, das Gymnasium Theodorianum zu Paderborn, die Universität Münster, die Jesuitenschule in Innsbruck und das bischöfliche Seminar in Eichstätt. Am 14. April 1886 feierte er – von Weihbischof Freusberg vergeben – seine Primiz.

Ein weiteres Erinnerungskärtchen zum Priesterjubiläum mit Weihbischof Baumann und Propst Hagemann in Niedermarsberg, 1936.
Ein weiteres Erinnerungskärtchen zum Priesterjubiläum mit Weihbischof Baumann und Propst Hagemann in Niedermarsberg, 1936.

Weitere Tätigkeiten in Wewelsburg, Dortmund und Warburg führten Hagemann nach Niedermarsberg. Am 04. Oktober 1910 wurde er als Nachfolger des verstorbenen H. H. Propstes Prälaten Johannes Wilhelm Schröder

eingeführt. Propst Hagemann erhielt am 30. November 1929 „in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um Kirche, Schule und Stadt“ die Niedermarsberger Ehrenbürgerschaft. Seine Publikationen zur Marsberger Geschichte sind stadtbekannt. Die Bildhauer Franz und Bernard Larenz schufen als Präsent für den Jubilar einen ganz besonderen Altar im neugotischen Stil. Das von Bernard Larenz gemalte Altarbild zeigt den Heiligen Petrus mit seinem Attribut, dem Schlüssel. Petrus schließt bereits in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor, die Paradiespforte, auf. Diese himmlische Rolle macht ihn auch zum „Wettergott“. Über dem Bildnis des Heiligen Petrus war der goldene Lorbeerkranz Propst Hagemanns angebracht, im Expositorium das „PAX“-Friedenszeichen.

Der Altar stand ab den Jubiläumsfeierlichkeiten ursprünglich in der Niedermarsberger Propsteikirche. Nach Umstrukturierungen und Veränderungen in der Magnuskirche in den 1960er Jahren spiegelte der Altar Hagemanns nicht mehr den damaligen kirchlichen Zeitgeist wider und wurde an die Vinzentinerinnen im Marsberger Krankenhaus in der Hauptstraße übergeben. Spätestens mit dem Neubau und dem Abriss des dortigen Krankenhauses wurde der Altar in Einzelteile zerlegt und verschwand auf Dachböden. Das Altarbild des Heiligen Petrus konnte gerettet werden und wurde an den Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ übergeben. Die Marsberger Spezialwerkstatt von Uta Scholand in Oesdorf restaurierte nun in filigraner Detail-Arbeit dieses einmalige Werk der Marsberger Kirchengeschichte. Die große, religiöse Schatzkammer des Museums „Haus Böttcher – Marsbergs Haus der Geschichte aus 1589“ ist somit um ein einmaliges Relikt reicher.

Quelle: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V. (JH)

NHR

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