Noch eine gefeierte Premiere bei den Bad Hersfelder Festspielen: Lysistrata
Noch eine gefeierte Premiere bei den Bad Hersfelder Festspielen: Lysistrata
Lysistrata oder Die Fantasie von Frieden- die Komödie von Aristophanes in einer Überschreibung von Amanda Lasker-Berlin Zitat aus Lysistrata: „Lasst uns den Männern zeigen, dass wir ihren Krieg nicht mittragen.“ „Lysistrata“ ist eines der einflussreichsten Theaterstücke der Weltliteratur. Verfasst im Jahr 411 v. Chr. entwirft Aristophanes ein Meisterwerk antiker Satire und zeichnet zugleich ein frühes Manifest weiblicher Selbstermächtigung. Zu einer Zeit, in der der Peloponnesische Krieg zwischen Athen und Sparta herrscht, kreiert der Dichter ein überraschend modernes Szenario: Angeführt von der klugen und unbeirrbaren Lysistrata (dt. „Heeresauflöserin“) versuchen die Frauen durch einen Sexstreik eine Welt ohne Krieg zu erzwingen. Ihre Mittel sind unblutig, aber höchst effektiv. Ohne Waffen, dafür aber mit einer gehörigen Portion Raffinesse, zerreiben sie die kriegswütigen Männer zwischen Libido und Patriotismus – bis diese schließlich kapitulieren und Frieden einkehrt. Die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Rollenbildern macht „Lysistrata“ aktueller denn je. Schon Aristophanes zeichnet mit seiner Utopie einen Gegenwurf zum Ernst der Realität. In einer Welt, die von Krieg, autoritären Systemen und Geschlechterungleichheiten durchzogen ist, gewinnt in „Lysistrata“ die weibliche Solidarität.
Somit triumphiert in dieser „Fantasie von Frieden“ die Komödie mit doppelbödigen Dialogen, burlesken Szenen und satirischen Zuspitzungen über die belehrende Moral. Doch dabei geht es nicht nur um die angestrebte Gleichstellung, sondern um ein tieferes Prinzip: dass auch jene Stimmen, die allzu oft überhört werden, die Kraft haben, Geschichte zu ver ändern. In der Überschreibung der Autorin Amanda Lasker-Berlin werden die von Aristophanes gesetzten Rollenbilder mit heutiger Komik auf ihre Aktualität geprüft. So lebt auch bei den Bad Hersfelder Festspielen der revolutionäre Geist Lysistratas weiter. Ihr Erbe ist die Vorstellung, dass selbst ein scheinbar ohnmächtiger Protest, wenn er listig genug ist, die Fundamente der Macht erschüttern kann. „Lysistrata oder Die Fantasie von Frieden“ ist daher nicht nur ein historisches Artefakt, sondern der Beweis, dass viele Inhalte aus der Antike auch noch heute Bestand haben. Lysistrata ist daher ein Kommentar zu den Themen unserer Zeit: Frieden, Emanzipation, und die Macht der Komödie. Denn die Welt verändert sich nicht nur durch Ernst – manchmal beginnt alles mit einem Lachen. Regisseurin Marlene Anna Schäfer, geboren 1987 in Homberg/Efze, ist eine der spannendsten Stim men des jungen deutschsprachigen Theaters. Nach einem Studium der Literatur- und Kulturwissen schaften an der Humboldt Universität in Berlin arbeitete sie an mehr als 20 Theaterstätten – unter anderem am Staatstheater Karlsruhe, am Schauspiel Frankfurt und aktuell als Schauspieldirektorin am Theater Ulm. In den vergangenen Jahren hat sie sich gezielt mit Geschichten von starken Frauen beschäftigt und für die Stärkung von Autorinnen eingesetzt, sodass mehr weibliche Perspektiven auf der Bühne behandelt werden. Mit Stücken wie der Auftragsarbeit „Madonnen“ von Amanda Lasker-Berlin leistete die Regisseurin einen Beitrag zum Thema „MeToo“.
Info: Pressedienst der Bad Hersfelder Festspiele / M.Kittner ©Fotos: M.Kittner