„Fando und Lis“ im Südflügel Kassel: Ein intensives Theatererlebnis zwischen Liebe und Abgrund
Mit „Fando und Lis“ bringt das AktionsTheater Kassel ein außergewöhnliches Werk des spanisch französischen Autors Fernando Arrabal auf die Bühne des Südflügels im Kasseler Kulturbahnhof. Die Inszenierung nimmt das Publikum mit auf eine verstörende, berührende und zugleich faszinierende Reise durch die Abgründe menschlicher Beziehungen.
Fando und seine gelähmte Verlobte Lis befinden sich auf dem Weg nach Tar, einem geheimnisvollen Ort, den niemand genau kennt. Lis wird von Fando in einem Wagen geschoben. Begleitet werden die beiden von drei Männern namens Mitaro, Namur und Toso, die ebenfalls nach Tar unterwegs sind. Doch wo liegt dieser Ort? Und ist er überhaupt erreichbar?
Tar wird zum Sinnbild einer großen Sehnsucht. Es steht für Liebe, Erlösung, Glück, Gerechtigkeit und vielleicht sogar für das Paradies. Gleichzeitig offenbart die gemeinsame Reise immer deutlicher die Widersprüche der Figuren. Hoffnung und Verzweiflung, Zärtlichkeit und Grausamkeit, Nähe und Gewalt liegen erschreckend dicht beieinander.
Fernando Arrabals Stück gehört zum absurden Theater und entzieht sich bewusst einer einfachen Deutung. Die Figuren bewegen sich in einer Welt ohne verlässliche Orientierung. Sie warten, suchen, hoffen und scheitern. Gerade darin entwickelt das Stück seine besondere Kraft. Es konfrontiert das Publikum mit existenziellen Fragen, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Das AktionsTheater Kassel setzt diese intensive Geschichte in einer bildstarken, körperlichen und kompromisslosen Inszenierung um. Weiße Kostüme, reduzierte Bühnenelemente und eindrucksvolle Szenen schaffen eine Atmosphäre zwischen Traum, Albtraum und groteskem Spiel. Das Publikum wird nicht nur zum Zuschauen eingeladen, sondern dazu, die eigenen Vorstellungen von Liebe, Abhängigkeit, Schuld und Glück zu hinterfragen.
Die Konzeption, Regie und Raumgestaltung stammen von Helga Zülch. Für Filmidee, Technik und Realisation zeichnet Werner Zülch verantwortlich. Auf der Bühne stehen Marie J. Schröder als Lis, Janning Sobotta als Fando, Michael Werner als Mitaro, Samuel Nerl als Namur und Nik Scherch als Toso. Die Filmregie übernahm Samuel Nerl, assistiert von Kate Fierle.
Wer Theater sucht, das herausfordert, polarisiert und noch lange nach dem letzten Bild im Gedächtnis bleibt, sollte sich diese Inszenierung nicht entgehen lassen.
Weitere Vorstellungen
Mittwoch, 26. August 2026, 20 Uhr
Freitag, 28. August 2026, 20 Uhr
Mittwoch, 2. September 2026, 20 Uhr
Freitag, 4. September 2026, 20 Uhr
Sonntag, 6. September 2026, 18 Uhr
Die ursprünglich für Samstag, den 29. August 2026, angekündigte Vorstellung entfällt aufgrund einer Veranstaltung auf Gleis 1.
Veranstaltungsort ist der Südflügel im Kulturbahnhof Kassel.
Kartenreservierung unter 0561 77 31 42 oder per E Mail an post(a)aktionstheaterkassel.com. Der Eintritt beträgt 18 Euro, ermäßigt 12 Euro. Auch das Kulturticket wird angenommen.
Weitere Informationen gibt es unter https://www.aktionstheaterkassel.com/HOME.html
Fotos: © K. H. Mierke