Oktopus-Klangrohrsystem

19. August 2012
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In direkter Umsetzung des d13-Mottos „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ hat die Klasse von Eva Moll der Akademie für interdisziplinäre Prozesse (Offenbach) eine 7-minütige Performance entworfen, die sie am Samstag Nachmittag auf der Karlswiese vorgeführt hat.

Die Performance ist der zweite Teil einer kleinen Geschichte. Während im (diesmal nicht gezeigten) ersten Teil der zentrale Oktopus von seiner Umgebung isoliert wird, erfolgte diesmal die Wiederzusammenführung des zuvor Getrennten. So wird auch der Bogen zum documenta-Motto geschlagen, der sich im Kleinen auch in diesem Teil der Geschichte wiederfindet.

Die Performance besteht aus Elementen von Theater und Pantomime, die von Musik untermalt werden. Isolierte Personen stehen unbeteiligt herum, alle sind größtenteils in Weiß gekleidet und unterscheiden sich somit fast nicht voneinander. Ihre Individualität drückt sich lediglich in farbigen Gesichtsmasken und Handschuhen aus. Der blaue Oktopus wiederum, unvernetzt und orientierungslos, sucht vergeblich nach Kontakten. Die vollkommen weiß gekleidete Protaginistin (dargestellt von Bianca — Nomen est Omen) ist die einzige, die sich bewegt, aber sie wird von der Gesellschaft ignoriert. Erst langsam, dann immer hektischer werden ihre Bewegungen, von ebenso chaotischer Musik untermalt. Sie reibt sich auf, bis sie schließlich zusammenbricht, fällt und scheinbar Eins wird mit dem neutralen Untergrund, in dem sie zu versinken droht.

Erst jetzt wird sie wahrgenommen, denn die Individuen sind gar nicht so unbeteiligt, wie es erst schien. Zunächst zögerlich, dann aktiver kümmern sie sich um die Gefallene, führen sie zurück ins Leben, indem sie ihr sprichwörtlich „Farbe geben“, Individualität. In der Folge gibt sie der Gruppe auf gleiche Weise etwas zurück. So finden alle sowohl zu ihrer Eigenständigkeit, als auch zu einer Gemeinsamkeit und vernetzen sich letztlich mit dem Oktopus, dessen Klangrohre die symbolischen Verbindungen in unserer vernetzten Gesellschaft darstellen sollen. So kann der scheinbare Gegensatz zwischen Individualität und Gemeinsamkeit überwunden werden. Niemand braucht sich zu Gunsten der Allgemeinheit aufzugeben und kann daher sowohl seine Individualität behalten, als auch von der Gruppe profitieren.

Vieles in dieser Performance regt zum Nachdenken an, auch gesellschaftskritische Aspekte sind zu erkennen. Der Autor Josef Krzyzanek erklärt danach, dass Kunst befreiend, belebend und heilsam sein kann, was in dieser Performance sehr stark zum Ausdruck kam. Interessant ist auch, dass die Künstler bei der Entwicklung dieser Performance im Grunde das erlebt haben, was sie hier darstellen. Auch diese Gruppe hat sich durch die Arbeit an dem Stück „gefunden“, sie hat zueinander gefunden, und dieses Wir-Gefühl, so Josef weiter, ist etwas wunderbares.

Die Requisiten wurden dann in das Capitol Kino Center in der Wilhelmsstraße gebracht, wo sie bis zum Ende der documenta im 4. Stock vor dem Kino 3  ausgestellt sein werden. Im Kino 7 werden bis zum 16.9. jeweils Mittwoch und Donnerstag um 22 Uhr zwei Filme gezeigt, an denen das Ensemble ebenfalls großen Anteil hat. Es ist dies „Kein Heldentum und keine Experimente — Wir rufen gern ein Taxi … TAXI … TAXI!“ von Jos Diegel sowie „n gschichtn“ von Eva Becker. (Sf)

 



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