Wie lernt das Gehirn – und wann lernt es am besten?

Wie lernt das Gehirn – und wann lernt es am besten?

Beim letzten „Donnerstag für Neugierige“ im Future Space gab uns Lerntherapeutin Dr. Marion I. Müller einen faszinierenden Einblick in die neuronalen Grundlagen des Lernens. Der Abend machte deutlich: Wie wir lernen, ist weit komplexer und spannender, als wir im Alltag wahrnehmen.

Rund 100 Milliarden Neuronen arbeiten in unserem Gehirn zusammen – lebenslang formbar und vernetzt. Ob Wissen wirklich hängen bleibt, hängt von mehr ab als bloßem Wiederholen. Dr. Müller erläuterte, welche Hirnregionen beim Lernen zusammenarbeiten: Der Frontallappen steuert Planung und Entscheidungen, der Temporallappen ist zuständig für Sprache und Gedächtnis, der Parietallappen verarbeitet sensorische Eindrücke. Lernen aktiviert immer mehrere Bereiche gleichzeitig.

Besonders eindrucksvoll war der Blick auf das limbische System. Thalamus, Hypothalamus und Amygdala entscheiden als emotionale Filter, ob ein Reiz – ob Bild, Wort oder Gedanke – als bedeutsam eingestuft und gespeichert wird. Was uns berührt und neugierig macht, verankert sich. Ohne emotionale Beteiligung bleibt Lernen meist oberflächlich.

Kurzfristiges Einpauken und das Gießkannenprinzip sind für nachhaltiges Wissen unzureichend. Wirksamer ist ganzheitliches Lernen, das möglichst viele Sinne einbezieht und verschiedene Hirnareale gleichzeitig aktiviert. Auch klare Lernziele erleichtern den Prozess spürbar – wer weiß, warum er etwas lernt, lernt leichter. Und die eigene Biographie prägt, wie offen oder gehemmt wir neuen Inhalten begegnen.

Lebenslanges Lernen ist kein Privileg der Jugend.

© NHR

 

NHR

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner