Mit verbundenen Augen durch den Wald – Ein Abend mit Per Busch

Wie würde es sich anfühlen, blind durch einen Wald zu gehen? Könnte man sich orientieren, den Weg spüren, Geräusche deuten? Diese und viele andere Fragen standen im Mittelpunkt des vergangenen Donnerstags für Neugierige im Future Space, bei dem der blinde Aktivist Per Busch zu Gast war.
Busch, Betreiber der Plattform dubistblind.de, berichtete eindrucksvoll von seinen Erfahrungen als blinder Mensch – und davon, wie viel Freiheit auch ohne Sehsinn möglich ist. Dabei nahm er die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise in den Habichtswald, wo Deutschlands ältester Blindenpfad verläuft. Dort könne man erleben, wie Natur nicht nur gesehen, sondern auch gehört, gefühlt und gerochen werden kann.
Ein besonderer Aspekt des Abends: Auch blinde Besucherinnen und Besucher waren anwesend. Ihr Austausch mit dem Publikum machte deutlich, wie vielfältig die Lebensrealitäten und Perspektiven blinder Menschen sind – und wie selbstverständlich sie sich in einer Welt bewegen, die für viele als „unsichtbar“ gilt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war der technologische Fortschritt. Busch zeigte auf, wie Smartphones und Computer auch von blinden Menschen bedient werden können, und erläuterte die Rolle von künstlicher Intelligenz im Alltag. Für viele im Publikum war es überraschend, wie weitreichend die digitalen Hilfsmittel heute bereits sind.

Wie funktioniert ein Smartphone für Blinde?
Per Busch erklärte, dass moderne Smartphones mit sogenannten Screenreadern ausgestattet sind – bei Apple heißt dieser VoiceOver, bei Android TalkBack. Diese Programme lesen alles vor, was auf dem Bildschirm erscheint: Nachrichten, Menüs, Apps. Durch bestimmte Wischgesten navigieren blinde Nutzerinnen und Nutzer durch die Inhalte. Die Spracheingabe über digitale Assistenten wie Siri oder Google Assistant erleichtert zudem das Schreiben von Nachrichten oder das Suchen im Internet – ganz ohne Blick auf den Bildschirm.
Mit viel Humor und persönlichen Anekdoten verdeutlichte Busch außerdem, wie individuell die Wahrnehmung von Geräuschen ist – etwa wenn Nachbars Hund völlig anders klingt als Frau Müllers Katze.
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