Kleiner Stift, ganz groß: Am 30. März ist Tag des Bleistifts

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Stein (ots) – 174 Millimeter Länge, sieben Millimeter Durchmesser: Seine Standardmaße sind, so scheint es, überschaubar und eher unauffällig. Doch was heißt schon Standard? Schließlich hat sich der Bleistift im Lauf seiner Jahrhunderte alten Karriere nicht nur zu einem der wichtigsten Gegenstände auf den Schreibtischen der Welt gemausert, sondern parallel dazu in ganz anderen Bereichen immer wieder für Furore gesorgt – ob als Mode-Inspiration, juristisches Streitobjekt oder Rekordhalter. Zum internationalen Jahrestag am 30. März: fünf überraschende Bleistift-Anekdoten aus aller Welt.

1. Der Bleistiftrock: Als die Mode „laufen lernte“

Mode, die die Schönheit der weiblichen Silhouette betont, den Trägerinnen aber zugleich einen dynamischen Auftritt erlaubt: Damit wurde der französische Modeschöpfer Christian Dior nach dem Zweiten Weltkrieg berühmt – und zur stilprägenden Legende. Dem Erfinder des New Look haben wir auch die moderne Version des „pencil skirt“ zu verdanken: einen figurnah geschnittenen Rock, der auf Kniehöhe endet und damit eine relativ große Bewegungsfreiheit bietet. Das ursprüngliche Modell, von Diors Landsmann Paul Poiret um die vorletzte Jahrhundertwende entworfen, reichte bis zum Knöchel, wobei die Breite am unteren Saum idealerweise dem Taillenumfang entsprechen sollte. Laufen konnte man in diesen Kreationen kaum – mehr als kleine Tippelschritte erlaubten sie nicht. „Humpelrock“ hieß das zwar gefällig anzuschauende, aber kaum alltagstaugliche Modell – bis Christian Dior es radikal kürzte, mit einer Falte für noch mehr Spielraum sorgte und so den „Bleistiftrock“ erfand. Mehr unter: http://ots.de/83VD3H

2. Ein paar Bleistifte: der größte Kunstraub der britischen Geschichte?

Was als kleiner Racheakt begann, sollte in einem Riesen-Rechtsstreit enden: Aus Ärger über eine verlorene Copyright-Auseinandersetzung hatte der Londoner Graffiti-Künstler Cartrain 2009 aus Damien Hirsts in der Tate Modern ausgestellten raumgroßen Installation „Pharmacy“ ein Päckchen Bleistifte entwendet. Per „Wanted“-Plakat schlug der 17-Jährige anschließend einen Austausch vor: das Mini-Exponat gegen seine von Hirst beschlagnahmten Collagen. Blöd nur, dass es sich bei dem Diebesgut um eine echte Rarität handelte: einen seltenen Satz aus der „Faber-Castell dated 1990 Mongol 482“-Serie. Entsprechend humorlos reagierte der einstige Großmeister der kontroversen Konzeptkunst: Hirst zeigte den Teenager wegen Kunstraubs im Wert von 500.000 Pfund an (umgerechnet aktuell ca. 560.000 Euro), die höchste Summe, um die es bis dato in Großbritannien je gegangen war. Tatsächlich wurde der Youngster verhaftet, erst gegen Kaution wieder freigelassen. Sechs Monate später ließ die Metropolitain Police alle Anklagepunkte gegen Cartrain fallen.

3. Das Supertalent: Alles außer schreiben

Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck benutzte einen Bleistift als Pfeifenstopfer, der legendäre Tonight-Show-Moderator Johnny Carson gestikulierte mit einem aus Sicherheitsgründen an beiden Enden mit einer Noppe versehenen Modell an seinem Studio-Schreibtisch. Während Gärtnern das graphitgefüllte Holzstäbchen als wirksamer Insektenschreck gilt, schätzen es Autobauer als Test-Instrument: Bei dem Verfahren mit dem schönen Namen „Ritzhärteprüfung nach Wolff-Wilborn“ prüft man die Lackierungs-Härte anhand von Bleistiften mit unterschiedlichen Härtegraden, die im 45°-Winkel über die Fläche geführt werden.

4. Der „höchste“ Bleistift

Nicht viele Schreibgeräte gelangen 400 Kilometer über der Erde zum Einsatz – und funktionieren dann auch noch: Mit einem speziellen „Twice“-Modell aus dem Haus Faber-Castell startete der italienische Astronaut Paolo Nespoli die erste seiner insgesamt drei Weltraum-Missionen. 2007 flog er mit der Space Shuttle erstmals zur ISS, um Außenarbeiten an der internationalen bemannten Raumstation zu koordinieren. Weil „die Arbeit im All ständig Notizen erfordert“, verwendete der damals 50-Jährige eine spezielle, für die Astronauten adaptierte Version des Multifunktionsgerätes, das auch in der Schwerelosigkeit stets zur Hand und in jeder Position schreibfähig sein musste.

5. Ein wirklich scharfes Geschäftsmodell

Wer hat schon mal intensiver über „Die Kunst, einen Bleistift zu spitzen“ nachgedacht? Der im malerischen Hudson River Valley nördlich von New York lebende Cartoonist David Rees hat es getan – und mit seinem wie eingangs betitelten Standardwerk ein Kult-Buch verfasst. Auf mehr als 200 Seiten erklärt der 45-Jährige, worauf es beim Bleistiftspitzen mit der Hand (niemals elektrisch!) ankommt. Seinen Ausführungen folgen die Leser ebenso kopfschüttelnd wie fasziniert: Ist das nun Nonsens – oder ein wichtiger Appell an Entschleunigung und Achtsamkeit in unseren hektischen Zeiten? Rees balanciert gekonnt dazwischen, auch mit seinen Folge-Angeboten: So spitzt er für umgerechnet 30 Euro (35 $) die Bleistifte seiner Kunden an und schickt sie inklusive Spänen und einem „Vorsicht, gefährlich spitz!“-Zertifikat zurück. Sein neuester Coup: Er versendet selbst Bleistifte, Bestellung möglich ab 500 $. Bleistift-Business, auf die Spitze getrieben. Mehr unter: www.artisanalpencilsharpening.com

PM: Press Office (HJ)

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