Flaute an der Futterstelle?

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NABU Hessen erklärt, warum im Winter zum Teil wenig Vögel zu sehen sind

Wetzlar – In den letzten Wochen erreichen den NABU Hessen viele besorgte Anfragen aus dem ganzen Bundesland, weil vor allem typische Gartenvogelarten wie Meisen, Finken und Amseln an der Futterstelle ausbleiben und plötzlich aus den Gärten verschwunden seien. Viele Naturfreund*innen machen sich nun Sorgen, dass sie etwas falsch machen, oder den Vögeln etwas zugestoßen sein könnte. „Die winterliche Gartenvogelwelt wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben dem aktuell verfügbaren Nahrungsangebot in Wald und Flur, sowie dem Verlauf der zurückliegenden Brutperiode, gehören dazu der Zuzug von Wintergästen aus dem Norden und die momentane Großwetterlage, aber auch der generelle Zustand ihrer Lebensräume“, sagt NABU-Vogelexperte Maik Sommerhage. Der NABU geht von einem Zusammenspiel verschiedener Ursachen des aktuellen „Vogelmangels“ aus. Darunter zählen die bisher noch vergleichsweise milde Witterung und noch ausstehende Wintergäste. Langfristig wirken vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene gesteigerte Pestizideinsatz, aber auch die Art, wie wir unsere Gärten und Siedlungsbereiche gestalten.

Witterung und Futterangebot

Experten des NABU konnten anhand der langjährigen Zählung nachweisen, dass die winterlichen Vogelbeobachtungen in den Gärten stark von der Witterung abhängen. In kalten und schneereichen Wintern kommen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen. Die lange Reihe zunehmend milder Winter führte zuletzt zu sinkenden Beobachtungen von Wintervögeln. Solange Eis und Schnee weitgehend ausbleiben, finden viele Vogelarten ausreichend Nahrung und sind nicht gezwungen, Futterhäuschen in Gärten aufzusuchen. Zudem sind viele Wintergäste, die sonst in großer Zahl unsere Gärten und Wälder bevölkern, noch nicht, oder in nicht so großer Anzahl eingetroffen. Dazu gehören zum Beispiel nordische Kohlmeisen, Gimpel, Zeisige sowie Buch- und Bergfinken. „Obwohl wir beobachten, dass auch bei häufigen Arten die Individuenzahlen immer weiter abnehmen, stellen wir fest, dass auf der anderen Seite aber auch mehr Menschen als früher füttern. Die Vögel können sich heute also über mehr Futterstellen verteilen, als dass früher der Fall war“, sagt Sommerhage. Hinzu kommt, dass die Buchen bei uns in diesem Winter reichlich Samen tragen, wodurch viele Waldvögel den Wald für die Futtersuche also gar nicht verlassen müssen.

Weniger Bewegungseinschränkungen außerhalb der Brutzeit

Im Winter sind viele Vogelarten nicht auf ein festes Brutrevier beschränkt, sondern ziehen häufig auch in lockeren Gruppen umher. Doch spätestens mit Beginn der Brutsaison werden wieder Reviere abgesteckt und Gartenbesitzer*innen werden viele alte Vertraute wieder zu Gesicht bekommen. Es lohnt sich also Geduld zu bewahren und ein Auge offen zu halten.

Zu schaffen machen der Vogelwelt aber auf jeden Fall die veränderten Lebensbedingungen. In der Agrarlandschaft wie auch im Siedlungsbereich fallen immer mehr wertvolle Strukturen wie zum Beispiel vogelfreundliche Hecken weg. Durch strukturarme landwirtschaftliche Nutzflächen und sterile Gärten finden Vögel immer weniger natürliche Futterquellen und Nistmöglichkeiten. Um die Bedingungen im Agrarland zu verbessern, können alle leicht etwas tun, indem sie sich beim Einkauf für Bioprodukte entscheiden und möglichst regionale Produkte auf dem Tisch landen.

 

Und auch im heimischen Garten kann man der Vogelschar leicht helfen: „Ein naturnaher Garten mit vielen Stauden und heimischen Sträuchern ist die beste Ganzjahreshilfe für unsere gefiederten Freunde im Siedlungsbereich“, rät der Vogelexperte Maik Sommerhage. Etwas mehr Struktur und Rückzugsmöglichkeiten bieten Schutz und Nistmöglichkeiten. So sitzen die Vögel bei der Futtersuche nicht gleich auf dem Präsentierteller und fühlen sich im Garten wohler. Wer die ausgeblühten Pflanzen stehen lässt, ermöglicht es den Vögeln sich im Winter an Samen und überwinternden Insekten zu bedienen. So lassen sich auch ganz ohne Futterstelle Gartenvögel beobachten. Wer trotzdem gerne füttern möchte, sollte unbedingt auf eine sorgfältige Futterplatzhygiene achten, um eine Ausbreitung von Vogelkrankheiten zu vermeiden.

Aber nicht nur im privaten Garten, auch in vielen hessischen Gemeinden und Städten bleibe in dieser Hinsicht noch viel zu tun. Neben Dach- und Fassadenbegrünungen, strukturreichen Grünflächen und Parkanlagen mit altem Baumbestand und heimischen Wildpflanzen würden mehr Nisthilfen sowie eine Verminderung des Vogelschlags an Gebäuden und eine Verminderung der Lichtverschmutzung deutlich zum Erhalt der Artenvielfalt in Städten beitragen.

Dem eigenen Favoriten bei der Wahl zum Vogel des Jahres eine Stimme geben

Vogelfans können noch bis zum 19.03. ihren Favoriten zum Vogel des Jahres 2021 abgeben Zur Wahl stehen die folgenden 10 Kandidaten: Stadttaube, Rotkehlchen, Amsel, Feldlerche, Goldregenpfeifer, Blaumeise, Eisvogel, Haussperling, Kiebitz oder Rauchschwalbe. „Jede der zur Wahl stehenden Vogelarten steht für ein Naturschutzproblem, mit dem wir uns dringend befassen müssen. Dafür haben wir jedem Vogel ein eigenes „Wahlprogramm“ gegeben. Wir sind schon gespannt, welche Programme die Hessinnen überzeugen“, verrät der Landesvorsitzende des NABU Hessen Gerhard Eppler. Wer sich noch nicht sicher ist, welcher Vogel es werden soll, kann sich auf der Aktionsseite www.vogeldesjahres.de über die Vogelarten und ihre Forderungen informieren. Und natürlich kann auch Jeder in der anstehenden heißen Hauptwahl-Phase wieder ein Wahlkampfteam zur Unterstützung der eigenen Wunschvogelart bilden. Die drei Wahlkampfteams, die in Vor- und Hauptwahl die meisten Stimmen gesammelt haben, werden prämiert.

PM: NABU

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