Wenn schon Weihnachtsbaum, dann ohne Gift!

Wenn schon Weihnachtsbaum, dann ohne Gift!
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Auf kurze Transportwege, regionalen Anbau und Ökolabel achten 

Wetzlar – Mit Beginn der Adventszeit kommt der Verkauf von Weihnachtsbäumen auch in Hessen wieder voll in Gang. Denn für viele ist der festlich geschmückte Weihnachtsbaum der Inbegriff der Feiertage. So werden in den nächsten knapp drei Wochen in Deutschland über 30 Millionen junge Fichten und Tannen den Besitzer wechseln. Leider sind viele Weihnachtsbäume alles andere als nachhaltig. „Die Zeiten, als Weihnachtsbäume noch als Abfallprodukt heimischer Forstwirtschaft anfielen, sind schon seit den 50er Jahren vorbei. Über 80 Prozent der verkauften Gehölze stammen heute aus Weihnachtsbaumplantagen in denen kräftig gespritzt und gedüngt wird: Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs und Mineraldünger für einen gleichmäßigen Wuchs und für eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln“, gibt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen zu Bedenken. Wenn das Fest ohne Weihnachtsbaum nicht denkbar ist, empfehlt der NABU deshalb den Kauf von Fichten, Kiefern oder Tannen aus Durchforstung oder aus Weihnachtsbaum-Kulturen, die nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden.

 

Wer Wert auf giftfreie Bäume in der guten Stube legt, kann zu einem der noch wenigen Weihnachtsbäume mit Siegel greifen: „Mit dem Kauf eines Baumes mit Siegel von Naturland, Bioland, Demeter oder Forest Stewardship Council (FSC) setzen Verbraucherinnen und Verbraucher ein Zeichen für den giftfreien Anbau von Weihnachtsbäumen“, so Eppler. Denn das garantiere, dass die zur Neupflanzung vorgesehenen Flächen für Weihnachtsbaum-Kulturen nicht mit Herbiziden kahlgespritzt, sondern mechanisch von Aufwuchs befreit werden. Auch später werden Wildkräuter im Ökoanbau nicht durch Pestizide vernichtet.

Einen Überblick über lokale Anbieter nach Regionen gibt die Waldschutzorganisation Robin Wood. Bio-Weihnachtsbäum werden aktuell in Hessen an 87 Verkaufsstellen angeboten, darunter sogar einige Baumärkte, die Bio-Bäume in geringer Stückzahl anbieten. Zertifizierte Anbieter gibt es etwa in Kassel, Baunatal, Schwalmtal, Wetzlar, Rockenberg, Bad Vilbel, Bad Nauheim, Mainhausen, Hanau, Darmstadt, Linsengericht, Seligenstadt und Wiesbaden. Zudem gibt es in den landesgrenznahen Nachbargebieten Sauerland (NRW) und Spessart (Bayern) eine ganze Reihe regionaler Bio-Weihnachtsbaumanbieter.

 

Als gute Alternative sieht der NABU Fichten, Kiefern und Weißtannen aus Durchforstungsmaßnahmen oder von forstlichen Sonderstandorten wie z.B. Hochspannungstrassen an. Diese Bäume seien in der Regel unbehandelt und müssten sowieso gefällt werden. Durchforstungsbäume sind über einige hessische Forstämter erhältlich. Hierbei sei aber darauf zu achten, nicht zu lange Transportwege zurückzulegen. „Die Umweltbilanz eines unbehandelten Weihnachtsbaums, den man extra mit dem Auto aus einem zwanzig Kilometer entfernten Wald holt, fällt deutlich negativ aus“, erklärt Eppler. Der Biologe Eppler warnt vor möglichen Gesundheitsschäden durch giftbehandelte Weihnachtsbäume. „Mit einem Baum aus dem Ökoanbau oder aus Durchforstung erspart man sich und seiner Familie eine mögliche Belastung der Raumluft mit Pestizid-Ausdünstungen während der Feiertage.“

 

An die Weihnachtsbaum-Produzenten appelliert der NABU Hessen, künftig stärker auf ökologische Kriterien zu achten. Es sei nicht zu verantworten, mit zu Schmuckzwecken gezüchteten Nadelbäumen massiv die Umwelt und die Gesundheit von Menschen zu gefährden. Allerdings müsse auch der Verbraucher seine Ansprüche überdenken: „Den perfekt gerade und dicht gewachsenen, rundum schön grünen Weihnachtsbaum gibt es kaum ohne chemische Sonderbehandlung“, so Eppler. Und vielleicht reiche auch manchmal ein deutlich kleineres Exemplar oder ein schön geschmückter Zweig schon aus.

 

Eine Alternative zum geschlagenen Baum sind solche mit Wurzelballen. Zehn bis zwölf Prozent der Christbäume werden im Topf gekauft, so die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Bevor der Christbaum von Terrasse oder Balkon für die Feiertage ins warme Wohnzimmer umzieht, sollte er sich in Keller oder Garage akklimatisieren, damit er den Besuch gut übersteht. „Wer ihn von unten über eine Schale alle zwei Tage gießt und hell stellt, schafft gute Überlebenschancen. Der Ausflug ins Warme sollte nur kurz dauern, damit der Baum nicht mitten im Winter frisch treibt. Nach dem Auszug muss der Ballen für einige Zeit vor Frost geschützt werden“, empfiehlt Eppler. Ein neuer Großstadttrend sind gemietete Weihnachtsbäume im Topf. Auch hier muss allerdings bedacht werden, dass die Bäume meist aus belasteten Monokulturen stammen und zum Teil beachtliche Transportstrecken zurücklegen.

 

Für viele Deutsche stellt auch ein Baum aus Plastik eine bequeme Alternative zum „Wegwerfbaum“ dar. Er nadelt nicht und nach den Feiertagen kann er, zusammen mit Kugeln, Lichterkette und Baumspitze, für das nächste Jahr im Keller verstaut werden. Von diesen Plastikversionen rät Eppler aber entschieden ab: „Mit Plastikmüll haben wir ja wirklich genug Sorgen. Muss es da auch noch ein Baum aus Plastik sein?“. Denn die Kunststoffbäume halten zwar mehrere Weihnachtsfeste aus, sie enthalten aber oft gefährliche und schwer abbaubare Chemikalien. Hinzu kommen die Transportwege (meist werden die Bäume ja nicht in Europa hergestellt), der Energieverbrauch bei der Produktion und nicht zuletzt die Schadstoffe, die bei der Entsorgung entweichen. Keine ökologische Alternative also, bei dem ganzen Plastik!

 

Um eine Verwertung der Weihnachtsbäume zu ermöglichen, sollte man übrigens auf Schnee- oder Glitzersprays verzichten. Der Glitzer besteht häufig aus PET, das dann als Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Außerdem können Tannen mit Glitzerspray nicht kompostiert werden.

PM: NABU Landesverband Hessen e.V. 

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