Donnerstag für Neugierige: Lebensmitteluntersuchungen als Schlüssel zum Verbraucherschutz

Donnerstag für Neugierige: Lebensmitteluntersuchungen als Schlüssel zum Verbraucherschutz

Am Donnerstagabend lud der Future Space Kassel zu einer weiteren Ausgabe der beliebten Reihe „Donnerstag für Neugierige“ ein. Nach einleitenden Worten von Dr. Heike Ziegler stellte sich das Hessisches Landeslabor und seine Arbeit vor und machte dabei eindrucksvoll deutlich, wie viel hinter dem steckt, was täglich auf unseren Tellern landet.

Den Einstieg machte Magdalena Kilian, Tierärztin im Hessischen Landeslabor, die anhand aktueller Schlagzeilen zeigte, warum Lebensmitteluntersuchungen so wichtig sind: von Rückrufaktionen über gefälschtes Olivenöl bis hin zum Listerien-Skandal rund um den Wursthersteller Wilke. Der gesetzliche Auftrag dahinter ist klar verankert: Gesundheitsschutz gemäß Grundgesetz Artikel 2 Absatz 2.

Um den historischen Kontext zu verdeutlichen, präsentierte sie eine Auswahl bekannter Lebensmittelskandale der vergangenen Jahrzehnte. Die Liste reichte vom Glykol im Wein 1985 über die BSE-Krise, Nitrofen in Bioeiern, Acrylamid in Pommes, Gammelfleisch und Melamin in Babynahrung bis hin zu Dioxin in Tierfutter, dem EHEC-Ausbruch durch Sprossen, Pferdefleisch in verarbeiteten Produkten, Noroviren in Tiefkühlbeeren, gefälschtem Olivenöl, Fipronil in Eiern, dem Wilke-Skandal sowie Salmonellen in Kinderprodukten im Jahr 2022. Die Botschaft war eindeutig: Lebensmittelüberwachung ist kein bürokratischer Selbstzweck, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

Einblicke in die Abteilung für tierärztliche Grenzkontrolle am Frankfurter Flughafen gab Nils Ahlborn, staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker. Er erläuterte, wie Frischwaren, Lebensmittel und lebende Tiere bereits an der Grenze kontrolliert werden – ein anschauliches Beispiel dafür, dass Verbraucherschutz weit vor dem Supermarktregal beginnt.

Dr. Ulrike Rottkord , veranschaulichte die Untersuchungsmethoden am Beispiel Erdbeermarmelade. Dabei wurde nicht nur die Zusammensetzung und Kennzeichnung geprüft, sondern auch die Herkunft der Zutaten sowie die Einhaltung der Vorschriften zur Bioherstellung, erkennbar an den entsprechenden EU-Siegeln.

Magdalena Kilian übernahm anschließend wieder das Wort und stellte am Beispiel Geflügelfleisch die Bandbreite der eingesetzten Untersuchungsmethoden vor: mikrobiologische Untersuchung, sensorische Prüfung, Tierartenbestimmung mittels Next Generation Sequencing, Parasiten und Fremdkörpernachweise, molekularbiologischer und enzymatischer Allergennachweis sowie histologische Analysen von Leber, Fett, Speck und Muskulatur.

Abschließend stellte sie das Verbraucherfenster Hessen vor, eine öffentlich zugängliche Plattform, auf der Hygienemängel in Betrieben gemäß Paragraf 40 Absatz 1a des Lebensmittel und Futtermittelgesetzbuches veröffentlicht werden. Damit erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher die Möglichkeit, sich selbst ein Bild über die Zustände in Betrieben in ihrer Region zu machen.

Den Abschluss des Abends bildete eine praktische Demonstration von Nils Ahlborn. Im Laborkittel zeigte er anhand einer klassischen Jod-Stärke-Reaktion, wie täuschend echt chemische Reaktionen im Alltag wirken können: Zwei klare Flüssigkeiten, in einen Maßkrug gegossen, ergaben binnen Sekunden eine dunkelbraune Flüssigkeit, die optisch kaum von einem echten Bier zu unterscheiden war. Das Experiment verdeutlichte auf anschauliche Weise, warum eine rein visuelle Beurteilung von Lebensmitteln nicht ausreicht und moderne Labormethoden unverzichtbar sind.

Der Abend machte deutlich, dass die Arbeit des Hessischen Landeslabors weit mehr umfasst als stille Laborarbeit. Sie ist ein aktiver Beitrag zur öffentlichen Gesundheit, zur Lebensmittelsicherheit und zur Tiergesundheit täglich entlang der gesamten Herstellungskette von der Grenze bis zum Supermarktregal.

Referentinnen und Referenten: Dr. rer. nat. Ulrike Rottkord (Staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin), Nils Ahlborn (Staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker), Magdalena Kilian (Tierärztin) | Landesbetrieb Hessisches Landeslabor

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