Digitales Hessen – Ist das Land zukunftssicher?

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Industrie 4.0 – So nennt sich die Arbeitswelt von Morgen und die deutsche Wirtschaft verfolgt dieses Modell, zumindest in der Theorie, rigoros. Der Kerngedanke hierbei ist, dass mittels Digitalisierung, dem Internet der Dinge und Künstlicher Intelligenz sämtliche Komponenten eines Betriebes miteinander vernetzt werden können und einander so jederzeit Auskunft über ihre derzeitige, aber auch vorherige und zukünftige Arbeitsleistung geben können. Nach der Mechanisierung, der Massenproduktion und der Automatisierung soll dies nun die vierte industrielle Revolution darstellen. Wie weit ist das Land Hessen bei der Implementierung dieser neuen Technologien?

Wirtschaftlicher Vorreiter

Hessen ist eines der produktivsten Bundesländer Deutschlands. Im Vergleich des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus 2018 erlangte Hessen den fünften Platz, Kopf an Kopf mit Niedersachsen. Betrachtet man das BIP pro erwerbstätiger Person, findet sich das Land an zweiter Stelle hinter dem Stadtstaat Hamburg. Damit diese starke wirtschaftliche Position beibehalten werden kann, müssen sich ansässige Unternehmen insbesondere aus der stark vertretenen Fertigungsbranche mit der Thematik und möglichen Implementierung der Industrie 4.0 beschäftigen.

Neben der Bundesregierung fördert auch das Land Hessen die Voranbringung einer flächendeckenden Digitalisierung seiner Unternehmen. Auch für Privatpersonen wird dies Vorteile mit sich bringen, denn durch die geplante digitalisierte Verwaltung können viele Behördengänge erspart werden.

Chance für Unternehmen

Großunternehmen gelten schon jetzt als Vorreiter der Digitalisierung und auch der Mittelstand muss nachziehen. Dieser zeigte sich in den vergangenen Jahren zögerlich bei dem schritt in die digitale Zukunft, Gründe hierfür waren unter anderen mangelndes IT-Wissen, zu hohe Kosten der Einrichtung und die Wahrnehmung, dass die Risiken die Chancen überwiegen. Wie wir bereits berichteten, bestehen Sorgen vor Allem bei Arbeitnehmern, die um Ihre Stelle fürchten und bei Datenschützern, die die massenhafte Sammlung von Daten sehr kritisch betrachten.

Viele Experten aus Industrie und Politik sehen diese Sorgen als unbegründet an. Statt sich durch Angst lähmen zu lassen, empfiehlt sowohl das Bundes- als auch das Landesministerium für Wirtschaft, Wissenslücken zu schließen und fachkundige Berater hinzuzuziehen. Auch ein möglicher Wegfall von Jobs ist eine übertriebene Darstellung der Realität. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums sagt stattdessen voraus, dass es bis 2025 unter dem Strich 58 Millionen neue Stellen durch die Digitalisierung geben wird, die wir uns teilweise noch nicht vorstellen können. Für viele Arbeitnehmer in der Fertigung wird nicht unbedingt ein Wegfall der Stelle erfolgen, sondern vielmehr eine Evolution. Auch Wolf Matthias Mang, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes Hessenmetall betont: „Digitalisierung funktioniert nur mit smarten Fabriken, die erst in der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter intelligent werden.“

Schließlich bleibt die Sorge über die hohen Kosten einer gänzlichen Umstrukturierung des eigenen Betriebes, doch ebenso wie die künstliche Intelligenz den Menschen unterstützen statt ersetzen soll, wird die Digitalisierung durch Vernetzung von Maschinen und Anlagen ergänzend zur ohnehin schon weit fortgeschrittenen Automatisierung wirken. Hierbei liefern Sensoren bereits jetzt die benötigten Daten für eine effiziente Optimierung und der Einsatz komplexer Elektronik ermöglicht eine präzise Übertragung von elektrischen Signalen, welche wiederum in digitale Signale umgewandelt werden können.

Ausblick

Auch bei der ausgiebigen Förderung durch Bund und Länder bleibt die Industrie 4.0 für viele Unternehmer unerschlossenes Land und somit theoretisch ungenutztes Potential. Ihr volles Potential werden die Technologien der Industrie 4.0 erst in 5-10 Jahren zeigen, bis dahin müssen Unternehmen die benötigten Investitionen wagen und entsprechende Wissensfundamente aufbauen.

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