Kunst ohne Drehbuch: Body Power bringt besondere Momente in die Karlskirche

Kunst ohne Drehbuch: Body Power bringt besondere Momente in die Karlskirche

Als Körper sprachen, Geschichten aufeinanderprallten und Kunst im Moment entstand, war das keine gewöhnliche Bühnenproduktion. Es war ein Experiment. Und genau das machte diese Woche besonders.

Vom 19. bis 23. Mai verwandelte sich die Karlskirche in einen offenen Probenraum für das Unbekannte. Unter der künstlerischen Leitung von Gab Branco kamen Performerinnen aus verschiedenen Ländern und Disziplinen zusammen, um gemeinsam zu erforschen, was passiert, wenn Menschen ihre Praktiken, ihre Geschichten und ihre Verletzlichkeiten miteinander teilen. Caro Ruoff aus den Niederlanden und Laura Ahumada aus Chile brachten internationale Perspektiven mit, während lokale Künstlerinnen und Tänzer*innen das Ensemble bereicherten und verankerten.

Das Ergebnis dieser intensiven Woche war nicht festgelegt, nicht geprobt, nicht wiederholbar. Am 23. Mai um 20 Uhr öffnete die Karlskirche ihre Türen für alle, die dabei sein wollten, als sich dieser Prozess vor einem Publikum entfaltete.

Ein Abend, der sich nicht zweimal ereignete

Das Publikum war bei dieser Performance nicht zum stillen Zuschauen eingeladen, sondern zum Miterleben und Bezeugen. Die Begegnung mit dem Unsichtbaren stand im Mittelpunkt: Was entstand, wenn Künstlerinnen aufhörten, Ergebnisse zu produzieren, und stattdessen begannen, sich gegenseitig zuzuhören? Themen wie Autobiografie, Körpergedächtnis, einfühlsames Miteinander und kollektive Fürsorge wurden nicht erklärt, sondern gelebt. Das Konzept der Co-Autoethnografie, das Branco der gesamten Woche zugrunde legte, verstand Kunst als gemeinsame Erzählung, in der alle Beteiligten sowohl Autorinnen als auch Figuren waren.

Die Abschlussveranstaltung am 23. Mai trug dabei eine besondere Qualität in sich. Was sich an diesem Abend in der Karlskirche entfaltete, ging über das rein Künstlerische hinaus: Spirituelle Elemente webten sich in das Geschehen ein, luden zur Stille und zur inneren Einkehr ein und schufen einen Raum, in dem das Publikum nicht nur zuschaute, sondern sich selbst begegnete. Ein Abend, der nachwirkte, der Fragen aufwarf und vielleicht das eine oder andere innere Gleichgewicht neu justierte.

Die Kraft hinter dem Projekt

Gab Branco ist eine brasilianische Künstlerin, deren Arbeit sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht. Tanz, Performance Art, Somatik, Psychotherapie und politischer Aktivismus bilden in ihrer Praxis kein Nebeneinander, sondern ein durchdachtes Geflecht. Branco begreift den Körper als politisches Instrument und als Archiv persönlicher Erfahrung. Ihre Performances entstehen nicht im Rückzug, sondern mitten im Austausch mit Menschen und gesellschaftlichen Realitäten.

Akademisch ist ihr Weg breit aufgestellt: ein Masterabschluss in Performing Arts an der ArtEZ in den Niederlanden, ein Postgraduiertenstudium in Performance Studies sowie eine Tanzausbildung an der renommierten UNICAMP in Brasilien. Hinzu kommt ihre Zertifizierung in der Klauss Vianna Technique, einer brasilianischen Körper und Bewusstseinspraxis, die Bewegung mit Achtsamkeit verbindet.

Was Brancos Arbeit im Kern ausmacht, ist eine konsequente Haltung: Kunst kann heilen, verbinden und verändern. Nicht als abstrakte Idee, sondern als gelebte Praxis, die Menschen wirklich zusammenbringt.

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